Neue Wache

Über Jahrzehnte prägte der Architekt Karl Friedrich Schinkel die Berliner und die gesamt-preußische Architektur. Als er 1818 die Neue Wache fertigstellte, war er allerdings erst 37 Jahre alt und stand noch am Anfang seiner Karriere. Niemand konnte damals ahnen, welch große Bedeutung der Architekt für die gesamte Region einmal haben sollte. Die Neue Wache war Schinkels erster eigenständiger Bau und war zum einen als Repräsentationsbau nach der französischen Besatzung gedacht, und zum anderen als Wachhaus für die königlichen Soldaten, die für das gegenüberliegende Kronprinzenpalais eingeteilt waren. Schinkel gelang es auf beeindruckende Weise dem kleinen Gebäude zwischen den großen nebenanliegenden Bauten von Universität und Zeughaus ein Gewicht zu verleihen. Die zweireihige Säulenhalle vor dem Eingang verschafft dem Gebäude eine größere Tiefenwirkung und somit auch mehr Bedeutung. Im Zentrum eines Kastanienwäldchens wirkt sie einzigartig und wichtig – gerade so, wie man es von einem repräsentativen Bau erwartet. Eigentlich wollte Schinkel den Bau nicht direkt an der Straße platzieren, sondern am anderen Ende des Wäldchens, ganz hinten. Doch dem König gefiel die große Distanz zu seiner Residenz nicht. Die Soldaten hätten im Ernstfall einen weiten Weg zurücklegen müssen.

Erst hundert Jahre nach der Errichtung, 1918, verlor das Gebäude seine Funktion als Wachhaus und fungierte anschließend erst als Gefallenen-Ehrenmal (ab 1930) und später als Mahnmal für die Opfer von Faschismus und Militarismus (ab 1960). Seit 1993 dient der Bau in einer restaurierten Fassung als “Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft”. Im vollständig entkernten Innenraum befindet sich eine stark vergrößerte Kopie von Käthe Kollwitz’ Skulptur “Trauernde Mutter mit totem Sohn”. Ein Guss in Originalgröße stand bei Helmut Kohl während seiner Zeit als Bundeskanzler auf dem Dienstschreibtisch.

Foto: Luukas / Wikimedia Commons – linzenzfrei (Stand: 05.09.2012)


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